Disziplinen

Warum muß es überhaupt eine „exotische“ Reitweise sein? Diese Frage wurde in den Anfängen der Westernreiterei in Deutschland vor etwa 20 Jahren noch meist damit beantwortet, dass man die wenigen Westernreiter als „Möchtegern-Cowboys“ abstempelte und die Reitweise als solche bestenfalls als nicht ernstzunehmen und schlimmstenfalls als Pferdeschinderei abtat. Nun ist alles Neue gewöhnungsbedürftig, und es dauerte seine Zeit, bis die Vorteile des Westernreitens von einer breiteren Schicht erkannt wurden. Besonders für Gelände- und Wanderreiter liegen sie nämlich klar auf der Hand, wenn man sich die Ziele dieser Reitweise vor Augen führt.

Westernreiten war Gebrauchsreiten – also Mittel zum Zweck (historisch dem des Rinderhütens). Die klassische Reitweise, auf welcher der heute vorwiegend betriebende Dressur- und Springsport aufbaut, war jedoch oftmals zweckfrei, also Kunst (sieht man vom Einsatz des Pferdes im Militär ab). Im Westernreiten dagegen steht der Begriff „Arbeit“ hinsichtlich des Ziels dieser Reitweise auch heute noch im Vordergrund. Der reitende Rinderhirte konnte sich niht auf sein Pferd konzentrieren, denn die Rinderherde stand im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. Das Pferd war dazu da, ihm bei der Arbeit zu helfen. Daraus entstand eine Reitweise, bei der das Pferd mit einem Minimum an reiterlicher Einwirkung kontrolliert und gelenkt wurde. Der heute verwendete Begriff der Minimalhilfengebung drückt das angestrebte Ziel einer Ausbildung von Pferd und Reiter im Westernstil auch in der für den modernen Sport- und Freizeitreiter modifizierten Form gut aus:

„Pferd und Reiter sollen sich mit einem minimalen Aufwand an Kraft und Konzentration miteinander locker und harmonisch bewegen.“


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» Reining:

Die Reining ist prinzipiell eine Dressurprüfung, deren Lektionen auf den Anforderungen der Herdenarbeit basieren. Wendigkeit, Schnelligkeit des Pferdes sowie absolute Kontrolle jeder Bewegung durch den Reiter bei präzisem Einhalten einer vorgegebenen Pattern (Aufgabe) und minimaler Hilfengebung sind die Bewertungskriterien. Die Reining-Lektionen stellen hohe Anforderungen an Pferd und Reiter. Fliegende Wechsel aus schnellem und langsamen Galopp, Sliding Stops aus flotten Galopp, schnelle exakt gesprungene und gelaufene Wendungen auf der Hinterhand (Roll Back und Spin) sowie schnelles, fast laufendes Rückwärtsrichten sind gefragt. Trotz ihrer Schnelligkeit soll die Vorstellung weich, elegant und harmonisch wirken – nicht hektisch und abgehackt. Wo Verharren gefordert wird, soll das Pferd bewegungslos auf seinen vier Füßen stehen und nicht vor Aufregung „zappeln“.

 

» Trail: .

Beim Trail werden Geschicklichkeitsaufgaben gefordert, wie z. B. ohne Absitzen durch Weidetore zu gehen, was kontrollierte, exakte Bewegung des Pferdes in alle Richtungen erfordert (Rückwärtsrichten, Seitgänge), oder überqueren von Holzbrücken, wobei Gelassenheit und Vertrauen des Pferdes zum Reiter sichtbar werden. Es werden alle möglichen und unmöglichen Situationen simuliert, die einem Reiter im Gelände (auf einem Trail = Wanderritt) begegnen können. Hierbei ist es wichtig, dass sich das Pferd ruhig, selbstständig und geschmeidig, ohne große Einwirkungen des Reiters durch die Hindernisse bewegt, sich aber trotzdem jederzeit zentimetergenau dirigieren lässt. Die Prüfung besteht meist aus 6 Hindernissen. Immer dabei ist das Tor, ein Überreiten von mindestens 4 Stangen (im Schritt, Trab oder Galopp, auf gerader oder gebogener Linie) und ein Hindernis, das rückwärts zu durchreiten ist (L, U oder ähnliches). Die Abstände der Stangen oder der Hindernisse zueinander sind reglementiert. Die Gangart zwischen den Hindernissen ist ebenfalls vorgegeben. Die Wertung beginnt wie bei der Reining bei 70 Punkten. Davon zieht man Fehlerpunkte ab, z. B. fürs Anschlagen an Stangen. Auch die Manier des Pferdes am Hindernis (Ruhe, Kopfhaltung, Aufmerksamkeit) fließt in die Bewertung ein.

 

Western Pleasure:

Pleasure wird in Gruppen geritten, bei der die drei Grundgangarten (Schritt/Walk, Trab/Jog, Galopp/Lope) sowie das Rückwärtsrichten und unter Umständen auch der extended Trot am angemessen losen Zügel und auf beiden Händen verlangt wird. Wie der Name sagt: es soll ein Vergnügen sein. Der Richter gibt an, was die Reiter tun müssen. Pleasure-Prüfungen unterscheiden sich durch die individuellen Vorgaben des Richters. Die Übergänge sollen exakt ausgeführt werden, wobei die Hilfen möglichst fein sein sollen. Dadurch wirkt es auf die Zuschauer sehr mühelos, verlangt aber von Reiter und Pferd ein Höchstmaß an Konzentration. Bewertet wird vor allem die Reinheit der Gänge (Takt), die Haltung des Pferdes, sowie die Rittigkeit bei den Übergängen. Trab (Jog) und Galopp (Lope) sollen in langsamen Tempo und möglichst weich geritten werden. Auch das Gesamtbild von Reiter und Pferd wird hier bewertet.

 

Western Horsemanship:

In diesem Wettbewerb werden die Leistungen des Reiters beurteilt. Zur Bewertung kommen unter anderem die Hilfengebung und die Haltung des Reiters während der einzelnen Lektion. Die verlangte Aufgabe muss sehr exakt ausgeführt werden, was auch eine enorme Kontrolle des Pferdes voraussetzt. Es sind keine spektakulären, dafür aber sehr anspruchsvolle Manöver, die an Pferd und Reiter gestellt werden. Die Prüfung besteht aus zwei Teilen, von denen der erste zu 80 % in die Wertung eingeht. Im ersten Teil absolviert der Reiter eine zumeist kurze, aber umso exakter auszuführende Einzelaufgabe, die auch Pattern genannt wird. Der zweite Teil,die Railwork, der zu 20 % in die Wertung einfließt, entspricht einer Pleasure-Prüfung. Hierbei kann der Richter bestimmen, ob er alle Teilnehmer an der Pleasure teilnehmen lässt. Im Gegensatz zu einer Pleasure-Prüfung wird hier allerdings weiterhin der Reiter beurteilt. Macht der Reiter einen Fehler, so bekommt er für diese Aufgabe weniger Punkte oder gar keine.

 

Western Riding:

Im Western Riding werden punktgenaue fliegende Galoppwechsel gefordert, welche weich und am angemessen losen Zügel geritten werden sollen.Diese Disziplin gilt als eine der Schwierigsten. Es ist eine Aufgabe („Pattern“) gemäß Regelbuch zu reiten, wobei vor allem Präzision bei den Galoppwechseln zwischen den Pylonen gefragt ist.

 

Versatility Horse:

Diese Displin wurde vor einigen Jahren von der AQHA ins Leben gerufen, um die Allround-Fähigkeiten des Westernpferdes zu zeigen. Bei der Versatility Ranch Horse werden die Pferde in folgenden fünf Disziplinen gezeigt: Ranch Riding, Ranch Trail, Ranch Cutting, Working Ranch Horse und Ranch Conformation.

Team/Cattle Penning:

– Start frei!

– richtige Rinder finden

– in das Gatter treiben – Time!

Im Wettbewerb stehen sich eine Herde Rinder sowie 3 Pferde mit 3 Reitern gegenüber. Jeweils drei Rinder tragen die gleiche Rückennummer.  Ziel ist es, die richtigen drei Rinder aus der Herde auszusortieren, diese auf die andere Seite der Arena zu bringen und schneller als irgendein anderes Team in das Gatter (Pen) zu treiben. Daher kommt auch das Wort „Penning“.

Hierfür steht dem Team zum Beispiel in der „OPEN“-Klasse eine Zeit von 90 Sekunden zur Verfügung. Sobald die erlaubte Zeit abgelaufen ist, wird der Lauf mit „no-time“ gewertet. Auch dürfen gleichzeitig nicht mehr als 4 Rinder über die Foul-Line. Das Team bekommt in einem solchen Fall die rote Flagge gezeigt und wird mit einer „no-time“-Wertung bestraft.

Was ist eine Foul-Line? Hierbei handelt es sich um eine klar markierte Linie vor der Rinderherde, die auf der Höhe von ca. einem Drittel der gesamten Länge der Arena durchgeht, jedoch nicht zu verwechseln mit der Start-Line!

Was ist eine Start-Line? Diese Linie verläuft durch die Mitte der Arena. Wenn man sie überreitet, wird die elektronische Uhr automatisch gestartet und man erhält die Nummer der richtigen Rinder.

 

Ranch Sorting:

Ranch Sorting ist ein Team Event. Zwei Corrals sind nebeneinander aufgebaut und mit einem Durchgang von ca. 5 Meter miteinander verbunden. In einem sind 12 Rinder, 10 sind nummeriert, 2 nicht. Beim Überreiten der Startlinie (Durchgang) wird den beiden Reitern eine Nummer genannt, mit der sie beginnen müssen. Nennt der Richter die Nummer 8, wird zuerst das Rind mit dieser Nummer gearbeitet, dann die 9, 0, 1, 2, etc. Die Rinder müssen nacheinander in der richtigen Reihenfolge von einem Corral in den anderen getrieben werden. Die beiden nicht nummerierten Rinder dürfen erst nach dem letzten Rind den ersten Corral verlassen. Hierfür stehen den Teilnehmern in der OPEN-Klasse 60 Sekunden zur Verfügung. Gewinner ist, wer in dieser Minute die meisten Rinder rüberbringt. Falsches Rind oder ein Zurückrennen der bereits rübergetriebenen Rinder wird mit „No-Time“ gewertet.

 

Showmanship at Halter:

Die Showmanship at Halter ist eine Disziplin, in der nicht das Reiten im Vordergrund steht, sondern korrekte Bodenarbeit als Ausbildungsmaßstab zu Grunde liegt. Sie wird nur in der Jugendklasse und in Amateurklassen angeboten. Bewertet wird ausschließlich der Teilnehmer, wie er sein Pferd am Halfter vorstellt. Natürlich hat ein gut ausgebildetes ruhiges Pferd einen positiven Einfluss auf die Gesamtbewertung. Neben der korrekten Aufstellung des Pferdes und der genauen Absolvierung der verlangten Aufgabe gehört auch der Pflegezustand von Pferd, Ausrüstung und Kleidung zur Bewertung. Ursprünglich war diese Prüfung dazu gedacht, unerfahrene Vorsteller auf die „Halter“-Prüfung vorzubereiten.

Halter:

Die Halter Klassen der Zuchtverbände stellen eine reine Zuchtschau für die Westernpferderassen dar. Bewertet wird das Exterieur und damit ob das vorgestellte Pferd den Zuchtzielen des Verbandes entspricht. Die Prüfungen finden ungesattelt an der Hand (am Halfter = Halter) statt. Die Pferde werden vorgetrabt und dann im Stand beurteilt.

Unterteilt werden die Klassen nach Alter (Fohlen, Jährlinge, 2-jährige, 3-jährige, ältere Pferde) und nach Geschlecht der Pferde, das heißt es gibt getrennte Klassen für Hengste, Wallache und Stuten. Zudem werden Klassen in den verschiedenen Leistungsklassen der Vorsteller ausgeschrieben (Jugendliche, Amateur und Open).

 

Cutting:

Die Disziplinen, in denen mit Rindern gearbeitet wird heißen Cutting, Working Cowhorse und Team Penning. Diese sind auch in Europa – besonders Cutting und Working Cowhorse – verbreitet. Cutting ist der an Preisgeldern gemessen am dritthöchsten dotierte Sport weltweit überhaupt (nach Tennis und Golf). Für den Ausübenden sind Rinderklassen teuer, weil den Reitern neben dem geeigneten Pferd auch noch Cutting-Maschinen (= mechanische Kuh) oder gar eine ganze Rinderherde fürs Training zur Verfügung stehen müssen, damit die Pferde „frisch“ und im Training bleiben. Zudem sind die Preisgelder in Europa noch lange nicht auf dem Niveau wie in den USA. Die Rinderdisziplin Cutting ist ein klassischer Zuschauermagnet. Der Reiter muss ein Rind aus einer Herde „herausschneiden“ (daher cutting = to cut) und es daran hindern seinem natürlichen Herdentrieb folgend zum Rest der Herde zurückzukehren. Der Reiter hat 2½ Minuten Zeit, um die Fähigkeiten seines Pferdes am Rind zu zeigen. Er kann dabei soviele Rinder arbeiten wie er will, darf aber nur aufhören ein Rind zu arbeiten, wenn es sich gar nicht bewegen will oder es ihm die Kehrseite zudreht. Der Reiter darf keine sichtbaren Hilfen mehr geben, wenn das Rind von der Herde abgesondert ist und die Zügelhand auf dem Pferdehals ablegen. Die Westernpferderassen haben aufgrund ihrer jahrzehntelangen Zucht als Rancharbeitspferde einen natürlichen Instinkt zur Rinderarbeit, den sogenannten Cow Sense. Das Pferd arbeitet vollkommen selbständig am Rind. Fast katzenartig gehen die Pferde mit den Bewegungen des Rindes mit, um zu verhindern, dass es zur Herde zurückläuft. Jeder Reiter bestimmt ein Team, das ihm bei der Arbeit helfen darf. Zwei „Cornermen“ oder „Herholder“ und zwei „Turnbackmen“. Das Helferteam rekrutiert sich zumeist aus den Teilnehmern und damit eigentlich aus Konkurrenten. Die Arbeit des Helferteams wird nicht bewertet.

 

 

Working Cowhorse:

Diese Rinderdisziplin wird in zwei Teilen geritten. Im ersten Teil zeigen Pferd und Reiter ihr Können in einem Reining-Pattern, also „Trockenarbeit“, im Fachjargon „Dry Work“. Im zweiten Teil ist „Fence Work“ verlangt. Hier muss er ein Rind zunächst an der kurzen Seite halten (boxing), dann zweimal gegen die lange Seite (Bande) wenden. Den Abschluss bildet das Zirkeln des Rindes auf jeder Hand in der Bahnmitte (mit fliegendem Galoppwechsel des Pferdes). Hierbei ist besonders der Cow Sense des Pferdes gefragt.

 

Team Penning:

Innerhalb eines Zeitlimits von 2½ Minuten muss ein Team (3 Reiter) bis zu drei Rinder aus der Herde aussondern und in einen Pferch (Pen) sperren. Dabei dürfen nicht mehr als drei Rinder die Mittellinie der Arena passieren. Das Team, das am meisten Rinder (höchstens drei) schafft, hat gewonnen. Schaffen dies mehrere, gewinnt das Team, das dies in der kürzesten Zeit geschafft hat.

 

Team Sorting:

Dem Penning nicht unähnlich. Allerdings werden hier zehn Rinder mit Sprühfarbe (ungiftig) von 0 bis 9 nummeriert. Der Ringsprecher ruft dann, nach Vorgabe der Richter, eine willkürliche Reihenfolge von Zahlen auf. Und in genau dieser Reihenfolge müssen die Rinder dann in den Pen getrieben werden. Es geht wieder um Zeit. Längstens 2:30 Min. Das Team, das es am schnellsten schafft, hat gewonnen. Schafft es kein Team in der vorgegebenen Zeit, gewinnt das Team, das die meisten Rinder geschafft hat.

 

Hunter under Saddle:

Der Reiter soll ein williges, leicht zu reitendes Pferd mit ausgreifenden Gängen vorführen. Das Pferd wird in englischem Sattel und Zäumung vorgestellt, entsprechende Kleidung wird vom Reiter verlangt. Der Richter beurteilt das Pferd mit 80 %, Kondition und Exterieur mit 20 %.

Hunter Under Saddle verlangt ähnlich wie der Western Pleasure die drei Grundgangarten Walk, Trot und Canter, allerdings in erhöhtem Tempo. In der Klasse Hunter Hack sind außerdem zwei Sprünge zu absolvieren.

 

Barrel Race:

Beim Barrel Race muss ein durch drei Ölfässer (Barrel) markiertes Dreieck möglichst schnell durchritten werden. Das Barrel Race wird auf Rodeos von Frauen als auch von Männern geritten. Aus fliegendem Start werden die Fässer in der Reihenfolge linkes Fass, rechtes Fass, hinteres Fass oder rechtes Fass, linkes Fass, hinteres Fass umrundet. Die Fässer dürfen berührt, aber nicht umgestoßen werden. Das Umstoßen kostet jeweils fünf Strafsekunden. Barrel Race wird als die meist gewählte Disziplin im Turniersport der USA genannt.

 

Pole Bending:

Beim Pole Bending werden 6 Stangen im Abstand von 21 Fuß aufgestellt, die es als Slalom zu durchreiten gilt. Das Umstoßen einer Stange wird mit einer Zeitstrafe, das Auslassen einer Stange mit Disqualifikation geahndet. Fliegende Starts sind erlaubt.

 

Pleasure Driving>:

Und zu guter Letzt gibt es sogar eine Klasse, bei der das Pferd vor einem Sulky angespannt ist (Pleasure driving), diese Klasse ist in Deutschland jedoch äußerst selten anzutreffen.

Verlangt werden die Gangarten Schritt ( Walk ) sowie Trab in 2 verschiedenen Tempi ( Road Gait und Park Gait ) auf beiden Händen.

 

Superhorse:

Superhorse ist eine Mischung innerhalb eines Patterns, das aus Elementen der Disziplinen Trail, Reining, Western Riding und Pleasure besteht.

 

 

 

 

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