Erbkrankheiten/Zuchtkrankheiten

Herpes

Pferde haltende Betriebe unter dem Druck von Herpes-Viren
Dr. Lutz Ahlswede,
Pferdegesundheitsdienst der
Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe, Münster
In letzter Zeit traten in einigen Bundesländern und z. B. auch in Belgien Todesfälle bei Pferden auf, die offensichtlich durch Herpesviren ausgelöst wurden. Diese Totalausfälle bezogen auf die Verbreitung des Gesamtinfektionsgeschehens sind jedoch als gering einzustufen.Todesfälle sind auf Schädigungen des Zentralnervensystems zurückzuführen.Das Interesse von Pferdehaltern und Tierärzten gilt jetzt den Informationen über Krankheitsabläufe, Vorbeugungs- und Bekämpfungsmaßnahmen.
In Westfalen-Lippe standen die Pferdehaltungen im Winter 2002/03 unter einem besonders hohen Infektionsdruck. Von November bis Januar trat häufig als bakterielle Infektion die hochinfektiöse Druse auf. Gleichzeitig und bis heute andauernd waren vermehrt Aborte zu verzeichnen, wobei nur einige zur Untersuchung gelangten. Teilweise wurde Equines Herpes Virus 1 (EHV-1) nachgewiesen. Ab Januar hörte man sporadisch aus verschiedenen Regionen von Fieber, einhergehend mit Bewegungsstörungen, vorwiegend in Reit-und Pensionspferdestallungen. In jüngster Zeit sind vorwiegend die Kreise Paderborn und Gütersloh betroffen. Hier wiesen einige der erkrankten Pferde die Form des „sog. Schlaganfalles“auf, welche durch ihre hohe Sterblichkeitsrate von ca. 50 % sehr gefürchtet ist. Fachleute sagen voraus, dass die Probleme durch Herpesviren in den Pferdebeständen in den nächsten Jahren zunehmen werden, wobei insbesondere die jetzt zur Aufschreckung geführte Form der Störungen des Zentralnervensystems hervorzuheben ist. Diese Schädigung wird verursacht durch die Virustypen 1 und 4. EHV-4 kommt vorwiegend bei Jungpferden vor, wobei durch einen hohen Infektionsdruck dann zusätzlich EHV-1 aktiviert werden kann. Pferdehalter müssen sich über Herpesinfektionen informieren, um rechtzeitig, langfristig und stets gezielte Maßnahmen zum Infektionsschutz treffen zu können.

Häufig gestellte Fragen aus der Praxis:
1. Welches sind die Besonderheiten der Herpesviren ?
Pferdeherpesviren befallen nur Pferde. Man geht davon aus, dass ca. 85 – 90 % der Pferde in Deutschland serologisch positiv reagieren, d. h. Antikörper nachzuweisen sind. Dabei haben sich ca. 70 % der Pferde bis zum Ende des dritten Lebensjahres mit Herpes auseinandergesetzt. Die meisten Herpesviren verbleiben in dem einmal infizierten Pferd und können dort über lange Zeit, evtl. über Jahre ruhen. Es kommt zu einem gewissen Gleichgewicht zwischen Immunabwehr des Körpers und der Virusvermehrung.Bei Jungpferden grundsätzlich und allgemein durch Stressfaktoren kann jedoch die Immunabwehr des Einzelpferdes geschwächt und damit die Viren aktiviert werden.
Dieses Ungleichgewicht, welches zu klinischen Symptomen führt, kann also entstehen ohne eine Infektion durch ein anderes Pferd und auch ohne Übertragung durch Vektoren, wie z. B. Menschen oder Material. Andererseits ist aber die Form der klassischenÜbertragung auch nicht zu vernachlässigen.
2. Was ist typisch für Equine Herpesvirusinfektionen ?
EHV-1 und 4 sind weltweit verbreitet
sind in allen Pferdehaltungen „heimisch“
Infektion erfolgt über Maul und Nüstern
Infektion ist auch ohne erkennbare Anzeichen möglich (schlummernde Infektionen)
typisch: immer wiederkehrendes Ausbrechen der Krankheit
Virusausscheidung erfolgt hauptsächlich durch Nasensekrete, Fruchtwasser
aufgebaute Immunität hält nur kurz – daher Wiederholungsimpfungen nach 6 Monaten
begünstigende/potenzierende Faktoren: – Stress (z. Transport)
– hoher Pferdebesatz im Stall / Auslauf /Weide
– schlechtes Wetter
– körperliche Belastung
– Stallklima, Hygiene, Fütterung
– Krankheiten (z. B. Druse, Parasiten usw.)


3. Welche Herpesvirustypen erzeugen welche Krankheitsbilder ?

Equines Herpesvirus Typ 1 (EHV-1) Atemwegserkrankungen, Aborte, Lähmungserscheinungen
Equines Herpesvirus Typ 2 (EHV-2) Horn- und Bindehautentzündungen am Auge
Equines Herpesvirus Typ 3 (EHV-3) Deckexanthem (sog. Bläschenausschlag)
Equines Herpesvirus Typ 4 (EHV-4) besonders Jungpferde: Atemwegserkrankungen,Lähmungserscheinungen, (Aborte)
4. Welches sind die klinischen Symptome für EHV-1 / EHV-4 Infektionen ?
Infektionen der Atemwege
Inkubationszeit: 2 – 10 Tage
wässriger Nasenausfluss
flacher, feuchter Husten
Kehlgangslymphknoten vergrößert
wenige Tage Fieber (38,8 – 39,5°C)
Dauer der Infektion der oberen Atemwege ohne Komplikationen: 8 – 14 Tage
Virusabort – sog. seuchenhaftes Verfohlen
Infektion über Atemwege
Inkubationszeit bis zu 3 – 4 Monaten
tritt meist „ohne Warnung“ auf, ohne Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens der Stuten
Spätabort: 7. – 10. Monat
Zeitpunkt des Abortes abhängig von Resistenz-, Hormonstatus der Stute,
auch abhängig von exogenen Faktoren wie Stress, allgemeiner Infektionsdruck und Medikamenteneinsatz
rasche Ausbreitung im Bestand, hohe bestandsbezogene Abortrate
in den nächsten Jahren erneute herpesbedingte Aborte möglich
in Geburtsnähe – Fohlen lebensunfähig, ohne Chancen
Fruchtwasser und Fruchthüllen enthalten erhebliche Virusmengen
Bewegungsstörungen und Lähmungen
Infektion über Atemwege
2 – 3 Tage Fieber (39 – 40,5°C)
zunächst Symptome der Atemwege oder Aborte vorausgegangen dann Koordinationsstörungen (Ataxie) der Hinterhand (3 – 4 Tage später)
milder Verlauf: Bewegungsstörungen; Besserung bzw. Spontanheilung nach 2 – 3 Wochen „Schlaganfall des Pferdes“ (schwerer Verlauf)
Krampfanfälle
vollständige Lähmung der Hinterhand (Koordinationsstörungen, hundsitzende Stellung, Ataxie)
Verlust der Harnblasenkontrolle
Lähmung After und Penis
Ursache: EHV-1 (+EHV-4)
bei Stuten, Wallachen, Hengsten
Sterblichkeitsrate bis zu 50 %
zunehmend zu beobachten
5. Wie kann man die durch Herpesinfektion bedingten klinischen Symptome von denen der Influenza im Bereich der Atemwege unterscheiden ?
Influenza Herpes
hoch akuter Verlauf: Seuchenzug, hochansteckend durch Tröpfchen (Husten), schnelle Ausbreitung
beschränkt auf einzelne Ställe, weniger als Seuchenzüge
schleichende Infektion im Bestand
Infektion der oberen und unteren Atemwege
obere Atemwege primär betroffen
Inkubationszeit 1 – 3 Tage
Virusausscheidung mind. 5 Tage nach Auftreten der Symptome
Hauptsymptome:
– trockener Husten und Fieber (39 – 41°C)
– leichter seröser Nasenausfluss
– Kehlgangslymphknoten leicht geschwollen
– Rötung der Nasenschleimhaut und Bindehäute
nicht so hohes Fieber feuchter Husten
s. Frage 4 / Atemwege


6. Welche Folgeschäden der Atemwege kann es nach Herpesinfektionen geben ?

Folgeschäden sind i. d. R. bakterielle Infektionen
meist Streptokokken mit schleimig-eitrigen Nasenausfluss
Infektion der unteren Atemwege mit Husten, Lungenentzündung und teilweise Fieber
chronische Lungenprobleme


7. Wie werden Herpesviren weiter verbreitet ?

Virusausscheidung über Tröpfcheninfektion (Sekrete der Atemwege)
Virusausscheidung über Aborte (insbesondere Fruchtwasser, Fruchthüllen)
Virus bleibt an Oberflächen (Stallwand, Putzzeug, Einstreu, Transportmittel, Nasenbremse usw.); ohne UV-Strahlung über Sonnenlicht bis zu 40 Tage, bei 4°C bis zu 7 Monaten, bei 20°C im Freien über mehrere Tage infektiös.
8. Wie kann man sich vor Herpesinfektionen schützen ?
Die allgemeinen Möglichkeiten, sich vor Herpesinfektionen zu schützen, sind relativ gering. Betriebe mit geringem Pferdebesatz, optimaler Haltung und Fütterung, mit einem hohen Anteil von Pferden ohne körperliche Belastung und andere Stressoren (z. B. Transport) haben gewisse Vorteile. Aber auch diese Betriebe sollten sich über die Impfmöglichkeiten informieren und diese dann konsequent umsetzen.
9. Wie sind Impfprogramme umzusetzen ?
Impfprogramme sind grundsätzlich, ganz gleich ob gegen Influenza oder Herpes, stets bestandsbezogen zu planen und umzusetzen. Dabei bleibt die Forderung von Bedeutung, dass zum Zeitpunkt der Impfung das Umfeld für den Impfling (z. B. Stress, körperliche Belastung) beachtet und evtl. korrigiert werden muss. Weiterhin müssen alle Impflinge gesund und nicht unter dem Einfluss von Infektionen stehen oder durch Parasiten belastet sein.
Die Impfung gegen Herpes ist grundsätzlich nur sinnvoll, wenn alle Pferde eines Betriebes geimpft werden. Zudem wird der Impfschutz optimiert, wenn sich geimpfte Pferde innerhalb einer geimpften Population bewegen. Durch die Impfung wird der Infektionsdruck vermindert, weil geimpfte Pferde deutlich weniger Virus in ihre Umgebung ausscheiden als ungeimpfte Pferde, d. h. aber auch, dass geimpfte Pferde das Virus ausscheiden können. Die Impfung schützt bei hohem Infektionsdruck nicht zwingend vor der Infektion, es kommt aber zu einer weitestgehenden Unterdrückung der klinischen Symptome. Um einen größtmöglichen Schutz vor herpesbedingten Aborten zu erreichen, ist besonders auf den bestandsbezogenen Impfschutz zu verweisen. Dabei sind die tragenden Stuten im Rahmen des Pferdeverkehres zusätzlich von nicht geimpften Pferden fernzuhalten. Einen Einzelschutz gibt es nicht.
Im Handel sind vier Impfstoffe mit Impfantigenen EHV-1 / EHV-4 verfügbar
a) Monopräparat aktiver Impfstoff EHV-1
b) Monopräparat inaktivierter Impfstoff EHV-1 und EHV-4
c) kombiniert mit Influenza inaktivierter Impfstoff EHV-1 und EHV-4
d) kombiniert mit Influenza inaktivierter Impfstoff EHV-1
Es ist auf die Produktbeschreibungen der einzelnen Produkte hinsichtlich Anwendung und Zielrichtung zu achten, sprechen Sie mir Ihrem Tierarzt darüber. Grundsätzlich kann ein Impfschutz ca. 1 – 2 Wochen nach Abschluss der Grundimmunisierung erwartet werden. Wiederholungsimpfungen werden zwingend notwendig nach jeweils 6 Monaten.


10. Wie verhält man sich unter hohem Infektionsdruck, wenn die Infektion im Stall oder in der Nachbarschaft ist ?

a) Infektionsdruck im Bestand mindern durch Optimierung des Umfeldes der Pferde, geringe körperliche Belastung, Vermeidung von Stress (Transport usw.)
b) Erhöhung der allgemeinen Infektionsabwehr z. B. durch Paramunisierung
c) Abwehr durch Maßnahmen gegenüber Einschleppen der Infektion in den Betrieb durch infizierte Pferde oder Vektoren (s. Frage 7)
d) Vor Umsetzung von Impfprogrammen überlegen, dass alle Pferde geimpftwerden müssen. Der größtmöglich Impfschutz kann erst ca. 1-2 Wochen nach Abschluss der Grundimmunisierung erwartet werden. Bei Impfungen in
Betrieben mit akutem Infektionsgeschehen sind evtl. Komplikationen zu erwarten.
e) Begonnene Impfprogramme sollten konsequent und sehr langfristig weitergeführt werden.
f) Die künftige Weidezeit wird besonders bei Jungpferden das Infektionsrisiko nicht gerade mindern, wenn Stressfaktoren wie Transporte, Witterungseinflüsse und soziale Konflikte zu erwarten sind.
g) Akut betroffene Betriebe sollten Pferde- und Personenverkehr reduzieren, ggfls. einstellen und auch Desinfektionsmaßnahmen ergreifen.


11. Werden Herpesviren mit dem Samen übertragen ?

Die Herpesviren EHV-1 und EHV-4 werden grundsätzlich nicht mit dem Samen ausgeschieden, so dass eine direkte Übertragung durch den Deckakt oder die Besamung ausscheidet. Im Zusammenhang mit dem Abprobieren sind Infektionsquellen jedoch über Probierständer, Gerätschaften denkbar. Die Zuchthengste sind z. T.gegen Herpes geimpft.

12. Welchen Schutz haben Saugfohlen ?
Ist die Fohlenstute sorgfältig gegen EHV-1 und EHV-4 geimpft, kann das Saugfohlen über Monate diesen Schutz über die Muttermilch erhalten. Da dieser mit zunehmender Laktation nachlässt, sollen Fohlen, je nach Impfstoff und Infektionsdruck, ab 3. bzw. 5. Lebensmonat gegen Herpes geimpft werden. Besonders vor dem Absetzen, Transport, Stallwechsel usw. ist dieser Maßnahme große Bedeutung zuzumessen.
13. Kann ich unter den dargestellten Infektionsrisiken weiterhin an Turniersportveranstaltungen teilnehmen ?
Die aktuelle Situation sollte nicht zu Panikreaktionen bei den Pferde haltenden Betrieben führen. Andererseits darf das Problem aber auch nicht vernachlässigt werden. In Regionen mit starkem Infektionsdruck sollte man daher mit dem Tierarzt über aktuelle Schutzmaßnahmen und langfristig umzusetzende Impfstrategien sprechen. Solange kein Impfschutz vorhanden ist, muss der Pferdehalter unter Abwägung des Risikos entscheiden, ob er mit seinem Pferden am allgemeinen Pferdeverkehr teilnehmen will. In den übrigen Regionen scheint das Infektionsrisiko vergleichbar
mit der Situation in den letzten Jahren.

 

Hypp

Hyperkaliämische Periodische Paralyse (HYPP)

Symptome

Bricht die HYPP aus, kann es immer wieder zu unvorhersehbaren Anfällen von Muskelschwäche kommen. Plötzlich zittern, zucken oder flattern am ganzen Körper oder an einzelnen Partien die Muskeln. Nach einer Weile können sie gelähmt sein. Manche Pferde atmen laut und schnaufend während einer HYPP-Attacke.Stärke und Länge der Anfälle variieren. Bei sehr leiten Attacken ist das Muskelzittern manchmal so schwach, dass man es nicht sieht, sondern nur per Elektromyographie (EMG) feststellen kann. Dabei misst man die Muskelaktivität mit Elektroden. „Bei ganz leichten Anfällen merkt man nur, dass das Pferd irgendwie anders ist als sonst, zum Beispiel nicht weiterlaufen will“, beschreibt Dr. Uwe Rathke, Pferde-Fachtierarzt und Zuchtleiter des Appaloosa Horde Club Germany.

Schwere Anfälle können die komplette Muskulatur lahm legen – die Pferde sacken zusammen. Versagt die Hinterhandmuskulatur, setzen dich die meisten von ihnen zunächst wie Hunde hin, dann liegen sie fest. Im Gegensatz zu einem Pferd mit Tying-upSyndrom, das teilweise ähnliche Symptome zeigt, bleiben HYPP-Pferde ruhig und reagieren nicht panisch.

Leichte bis mittelschwere Attacken sind oft nach ein paar Minuten vorbei. Schwere Fälle werden immer schlimmer und dauern Stunden. „Die können tödlich enden, wenn sie nicht behandelt werden“, warnt Rathke. Betroffene Pferde sterben meist an Herzstillstand und Atemlähmung.

Ursachen

HYPP ist eine Werbkrankheit, die es übrigens auch bei Menschen gibt. Sie wird durch eine Genmutation ausgelöst. Durch eine veränderte Aminosäure in der Muskelzell-Membran verändern sich Struktur und Funktion der so genannten Natrium-Kalium-Pumpe, wodurch es zu Störungen kommt. Die Pumpe ist ein winziger Kanal in der Muskelzell-Membran, durch den die Elektrolyte Natrium und Kalium zwischen Muskelzelle und Blutgefäß hin- und herfließen. Während einer HYPP-Attacke öffnet und schließt sich die Pumpe nicht mehr normal, wodurch übermäßig viel Kalium aus den Muskelzellen ins Blut gelangt. „Während eines akuten HYPP- Anfalls kann der Kalium-Blutspiegel um das Zigfache über den Normalwert – 2,8 bis 4,5 Millimol pro Liter – erhöht sein“, sagt Rathke.“ Zwischen den Anfällen ist er dagegen völlig unauffällig.“

Während im Blut der Kaliumspiegel steigt, sammelt sich in den Muskelzellen Natrium. Beides zusammen führt zu unkontrollierbaren Muskelzuckungen und Lähmungen. Zuerst sind die quergestreiften Skelettmuskeln gelähmt – jene Muskeln also, die bewußt bewegt werden und bis zu 45 Prozent des Pferdegewichts ausmachen. Dadurch kann das Pferd nicht mehr stehen. Sind die Muskeln der oberen Atemwege gelähmt, atmen die Pferde laut. Ist die gesamte Muskulatur der oberen Atemwege gelähmt, können sie ersticken.

Nach der quergestreiften erwischt es die vom vegetativen Nervensystem gesteuerten, nicht dem Willen unterliegenden Muskeln. Dazu gehören die glatten Muskulatur in den Wänden von Magen, Darm, Blutgefäßen und anderen Organen sowie die Herzmuskulatur. Herzstillstand ist neben Atemlähmung deshalb die zweite typische Todesursache bei HYPP.

Risikopatienten

Bei kaum einer anderen Krankheit lassen sich die Risikopatienten so eindeutig benennen wie bei HYPP. Nach heutigem Wissensstand trat der Gendefekt durch eine spontane Mutation zum erstemal bei dem Quarter-Hengst Impressive auf. Der Hengst werebte den Defekt, ohne daß zunächst jemand von der Krankheit etwas ahnte. Weil Imressive üppige, shr plastische muskeln vererbte und zahlreiche überaus erfolgreiche Halter-Pferde zeigte, züchtete man in den 70er Jahren sehr intensiv mit ihm. Er und seine Nachkommen wurden auch in der Appaloosa- und Paintzucht eingesetzt.

Genau in diesen drei Westernrassen kommt denn auch HYPP vor – was freilich nicht bedeutet, daß Pferde anderer Rassen grundsätzlich davon verschont bleiben: Durch Einkreuzungen von Westernpferden können auch die das defekte Gen erben. So berichtet Rathke von einem an HYPP erkranktem Pony, das unter seinen Ahnen einen Impressiv-Nachkommen hat. HYPP wird „autosomal dominant“ vererbt. Das bedeutet, daß die Krankheit Hengst und Stuten betrifft und dominant vererbt wird. Daher erkranken auch Pferde, bei denen das Gen nur auf einem Chromosom defekt ist.

Außerdem schwächt sich HYPP im Gegensatz zu mach anderen Erbkrankheiten über die Generationen hinweg nicht ab. Bei heutigen Imressive_Urenkeln wirkt sich der Gendefekt genau so stark aus wie bei Söhnen oder Töchtern des Hengstes, und sie vererben ihn auch genauso weiter.

Bei einem homozygoten (reinerbigen) Genträger ist das Gen auf beiden Chromosonen defekt. Wenn man mit so einem Pferd züchtet, entstehen zu 100 Prozent HYPP-Pferde. Werden zwei mischerbige Genträger miteinander gepaart, kommt es statistisch zu 75 Prozent zu einem Fohlen mit HYPP-Veranlagung. Aus der Anpaarung zwischen einem mischerbigen Genträger und einem kerngesunden Pferd entsteht statistisch zu 50 Prozent ein HYPP Fohlen.

Nicht alle der weltweit rund 100 000 Impressive-Nachkommen sind automatisch HYPP-Pferde, da bei der Paarung mischerbiges x normales Pferd zu 50 Prozent und bei der Paarung mischerbiges x normales Pferd zu 25 Prozent ein kerngesundes Fohlen entsteht. Ob ein Pferd das defekte Gen trägt, läßt sich mit einem molekularbiologischen Test feststellen, den Tiermediziner der Universität von Kalifornien in Davis entwickelten. Von Oktober 1992 bis Oktober 1996 wurden an der Universität von Kalifornien 27 000 Blutproben von Impressive-Nachkommen auf HYPP getestet. 63 Prozent der getesteten Pferde waren HYPP-frei (N/N), 36 Prozent stellten sich als heterozygote Genträger (N/H) und nur ein Prozent als homozygote Genträger (H/H) heraus.

Wie viele Pferd in Deutschland von HYPP betroffen sind, ist schwer zu sgen. ! Als das Probelm Anfang der 90er Jahre bekannt wurde, gab es höchstens ein paar hundert HYPP-Pferde,“sagt Rathke. „Aber leider wurde mit manchen dieser Tiere weitergezüchtet. Weil außerdem die deutsch Quarter-Population in der Zwischezeit um das Vier- bis Fünffache auf rund 23 000 Tiere gestiegen istm kann man davon ausgehen, daß der Gendefekt mittlerweile um sich gegriffen hat.“

Seit Anfang 1998 weist die American Quarter Horde Association (AQHA) in den Papieren von Imressive-Nachkommen ausdrücklich auf das HYPP-Risiko hin und empfiehlt, solche Tiere testen zu lassen. „ Es ist zwar keine Pflicht, aber ohne negativen Test kauft Ihnen niemand so ein Pferd ab“, sagt Sabine Steinbeck, die die Geschäftstelle der Deutschen Quarter Horse Association (DQHA) leitet.

Auch deutsche Labors bieten HYPP-Tests an. Wer jedoch mit seinen Quarters züchten will, bekommt die Papiere für das Fohlen nur vom amerikanischen Mutterverband AQHA- und der erkennt die deutschen Tests nicht an, weil die Labors einen anderen Abschnitt des DNA-Stranges testen als amerikanische. Quarter-Züchter, die Wert auf Originalpapiere legen, müssen ihre Pferde also weiter von US-Labors testen lassen.

Krankheitsverlauf

Ob und wie stark ein HYPP-Genträger erkrankt, läßt sich nicht vorhersagen. Es gibt Träger, die ihr Leben lang keine Beschwerden haben; andere leiden alle 14 Tage unter schweren Anfällen. In der Regel leiden reinerige Genträger, die aber sehr selten sind, unter besonders starken Beschwerden.

Auch das Alter scheint eine Rolle zu spielen. So bekommen drei-bisfünfjähige Pfede am häufigsten HYPP-Attacken. „In diesem Zeitraum haben die Pfede das stärkste Muskelwachstum“, sagt Rathke. „Mit dem Enreiten hat es dagengen nichts zu tun, auch wenn das nanche Reiter vermuten.“

Anfallshäufigkeit und Symptomstärke lasen mit zunehmendem Alter nach – vermutlich weil der Organismus das Problem mit der Zeit alleine in den Griff bekommt. „Anscheinend werden im Körper Enzymsysteme etabliert und optimiertm die dafür sorgen, daß das Kalium schnellstmälich wider ausgeschieden wird, wenn es zu eine, Anfall kommt,“ sagt Rathke.

Eine Garantie gibt es aber nicht. So kann ein 20jähiges Pferd, das nie Beschwerden hatte, plötzlich einen Anfall bekommen und sterben.

Über die Auslöser der Anfälle wird spekuliert. Nach Rathkes Erfahrung gibt es keine Gesetzmäßigkeiten:“ Das eine Pferd erwischt es bei Reiten, das andere im Stall, auf dem Anhänger oder auf der Weide. Das ist völlig willkürlich.

Behandlung

Als Erbkrankheit ist die HYPP bisher unheilbar. Jeder schwere Anfall ist ien Notfall, den viele Pferde nur überleben wenn sie sofort behandelt werden.

Üblich ist Kalziumglukonat als Infusion. “Kalzium dichtet die durchlässige Natrium-Kalium-Pumpe ab und senkt den Kaliumspiegel im Blut“, erklärt Rathke. „Weil es die Herzfrequenz erhöht, muß man es aber schön vorsichtig dosieren.“ Die meisten Pferde reagieren sofort auf Kalziumglukonat-Infusionen und stehen wieder auf. Falls nicht, greifen viele Tierärzte zur stärker wirkenden Natriumbikarbonat-Infusion. Steht das Pferd immer noch nicht auf, probieren sie es mit Dextrose.

Vorbeugung

Einen Gendefekt wie HYPP wird man nur los, indem man Genträger konsequent von der Zucht ausschließt. Der HYPP-Test ist deshalb das wichtigste Vorbeuge-Instrument. Nur er schafft Klarheit, ob mit einem Imressive-Nachkommen gezüchtet werden darf.“ Wenn der Test negativ ausfällt, das Pferd also HYPP-frei ist, können Sie bedenkenlos mit ihm züchten, selbst wenn mehrere seiner Vorfahren Genträger waren“, so Rathke.

Betroffene Pferde kann man durch richtiges Management vor den schlimmsten Auswirkungen der Stärung schützen und ihnen bei milderen HYPP-Anfällen helfen. Sofern ein Pferd nicht als Schlachtpferd im Equidenpaß eingetragen ist, verordnet Rathke zeitlebens das harntreibende Medikament Diamox mit dem Wirkstoff Acetazolamid. Diamox regt die Nieren an, überschüssiges Kalium auszuscheiden und bringt so den Kalizmspiegel im Blut wieder ins Lot. „Man kann es täglich in einer Dosierung von bis zu drei Miligramm pro Kilo Körpergewicht unters Futter mischen“, sagt Rathke. „Weil Diamox aber gleichzeitig die Kammerwasserproduktion im Auge senkt, emphehle ich bei einer Dauermedikation, einmal im Jahr den Augenhintergrund kontrollieren zu lassen.“

Vor allem amerikanische Tierärzt raten, den Kalium-Pegel zusätzlich über Haltung und Fütterung zu regulieren. Weide- oder Paddockhaltung soll Anfällen vorbeugen, weil sie den Pferden Bewegung verschafft. Bewegung kurbelt die Produktion des Hormons Adrenalin an, das die Muskelzellen anregt, Kalium aus dem Blut aufzunehmen. Bei leiten Anfällen soll vorsichtiges Führen oder Longieren helfen.

Auch wenig Streß soll vor HYPP-Attacken schützen. Dazu gehört unter anderem, betroffene Pferde weder hungern noch dursten zu lassen und feste Fütterungszeiten mit stets gleichen Futtermengen einzuhalten.

Ratsam ist eine kaliumarme Diät. Tabu ist Melasse, in der mit 35 Gramm pro Kilo extrem viel Kalium steckt. Auch Luzerne, Elektolytlösungen und Mineralfutter haben oft einen hohen Kalium-Anteil.

Hafer, Mais und Gerste enthalten wenig Kalium und liefern Kohlenhydrate. Die erhöhen den Blutzuckerspiegel im Körper und regend dadurch die Muskelzellen an, die Kalium aufzunehmen. Zusammen mit Heu aus späteren Ernten, das weniger Kalium enthält als früh geschnittenes Heu, gilt kohlenhydratreiches Getreide deshalb als ideales Futter für HYPP-Pferde.

Das schafft freilich ein neues Problem: Was gut gegen HYPP-Attacken ist, fördert andererseits durch den hohen Kohlenhydratgehalt Hufrehe, weshalb die Rationen, notfalls mit Hilfe einer Futtermittelberatung, sorgfältig ausbalanciert werden müssen.

Streitfragen

Ob eine kaliumarme Diät sinnvoll ist oder nicht, wird von deutschen und amerikanischen Tierärzten unterschiedlich bewertet. Rathke glaubt nicht recht an ihren Nutzen. „Man kann zwar versuchen, das Risiko damit zu reduzieren. Aber es wäre vermessen zu glauben, daß sich über das Management alle Anfälle verhindern lassen“, sagt er. Seiner Meinung nach kommt es gar nicht so sehr darauf an, wieviel Kalium im Futter ist.“ Das ist ähnlich wie beim Cholesterinspiegel des Menschen, der sich selbst bei strengster Diät höchstens um fünf bis sieben Prozent senken läßt. Da ist eben sehr viel genetisch fixiert.“

Ulrike Bletzer

Influenza

Pferdeinfluenza

– Impfpflicht bei Turnier (FN) und Zuchtpferden – Die Influenza ist eine der ansteckendsten Viruserkrankungen der Pferde. Sie ist gekennzeichnet durch Rötung der Nasenschleimhäute, klaren Nasen- und Augenausfluss, hohes Fieber (bis 42°C) sowie einen charakteristischen trockenen, hohlen Husten. Der Erreger ist seit langer Zeit bekannt und es gibt wissenschaftlich gesicherte Nachweismethoden und ebenfalls elektronenmikroskopische Bilder des Virus. Eine ausführliche Darstellung aller Erkenntnisse zu dieser Erkrankung findet sich bei Lange, Werner: Virologie, Epidemiologie, Klinik, Therapie und Prophylaxe; Parey-Verlag, Berlin 2000.

Die Pferdeinfluenza tritt besonders bei Sportpferden bzw. in Reitvereinen auf. Das Zusammentreffen von Pferden aus unterschiedlichen Betrieben, der Stress durch Transport und erhöhte Leistung begünstigen die Ansteckung bzw. den Ausbruch der Erkrankung im Zusammenhang mit reitsportlichen Veranstaltungen. Junge Pferde, die vom Zuchtbetrieb in den Trainingsbetrieb wechseln, sind besonders gefährdet.

Es ist erwiesen, dass die Immunabwehr bei einem bislang ungeimpften Pferd zunächst durch die Grundimmunisierung stimuliert und durch die nachfolgenden Wiederholungsimpfungen auf wirksamem Niveau gehalten wird.

Die FN fordert deshalb die Grundimmunisierung mit 2 Impfungen im Abstand von mindestens 4 Wochen (28 Tage) und höchstens 8 Wochen (56 Tage) und einer dritten Impfung im Abstand von 6 Monaten (+/- 28 Tage).

Dann regelmäßige Wiederholungsimpfungen im Abstand von 6 Monaten (+/- 28 Tage).

Ein Turnierstart ( FN) ist möglich, wenn die 2. Impfung mindestens 14 Tage her ist.

Diese Impfvorschrift ist im § 66.3.10 der LPO für alle Pferde in Deutschland, die an Pferdeleistungsschauen (FN) teilnehmen, verbindlich geregelt.

Es ist grundsätzlich zu empfehlen, die halbjährliche Impfung konsequent durchzusetzen. Diese Regelung entspricht auch internationalen Empfehlungen. In den USA wird für Fohlen und Jährlinge sogar die Wiederholungsimpfung alle 3 bis 4 Monate empfohlen.

Unter diesem Aspekt ist die Regelung, dass Turnierstarts auch möglich sind bei Wiederholungsimpfungen im Abstand von höchstens 9 Monaten, unverständlich und wissenschaftlich kaum begründbar.

Für einen guten Impfschutz ist ebenfalls von Bedeutung, dass der Impfstoff immer wieder dem aktuellen Wandel des Influenzavirus angepasst ist und alle Tiere eines Bestandes geimpft werden.

Es gibt bei keiner Impfung einen absoluten Schutz vor der Erkrankung. Bei dem schweren Ausbruch der Erkrankung in Hong Kong 1992 erkrankten 37% der dort befindlichen Pferde.

Dabei traten bei ungeimpften Pferden wesentlich stärkere gesundheitliche Schäden und damit wesentlich höhere wirtschaftliche Verluste auf.

Eine Nichtimpfstrategie gegen die Pferdeinfluenza ist strikt abzulehnen.

gez.

Dr. Kley/Dr. Ricker

 

Lethal White

Overo Lethal White Syndrom (OLWS)

Dies ist der Name für einen tödlichen Gendefekt, der leider beim Paint Horse immer wieder auftritt. Auch in diesem Jahr wurden mehrere Züchter zutiefst enttäuscht, als bei ihnen anscheinend gesunde Fohlen mit (fast) vollständig weißem Fell und rosa Haut geboren wurden, die wenige Stunden nach der Geburt starben oder nach dem Auftreten schwerer Koliksymptome getötet werden mussten.

Der Name des Defektes weist auf den so genannten „Frame Overo“, eine begehrte Zeichnung, hin (siehe Abbildungen). Sie wird so eng mit der Genveränderung in Verbindung gebracht, daß man das Vorkommen des Defektes fast als Test für dieses Scheck-Muster verwenden könnte. Bei jedem Frame Overo besteht somit der Verdacht auf das Vorliegen der den Weiß-Defekt verursachenden Genveränderung! Kennzeichnend für OLWS und verantwortlich für die tödliche Wirkung ist das Fehlen der Darmfunktion.

Waren die Züchter bis vor einigen Jahren diesem Geschehen schicksalhaft ausgeliefert, lässt sich das Auftreten der Fohlen mit OLWS heute durch einen Gentest der geplanten Elterntiere verhindern. Es gibt reinerbige Nicht-Träger (N/N), mischerbige Träger (N/0) und reinerbige Träger (0/0, nicht lebensfähig). Nur wenn Vater und Mutter des Fohlens als Träger des Defektes diesen an das Fohlen weitergeben, wird das Fohlen reinerbig für OLWS (0/0) und ist damit todgeweiht. Das Risiko für ein solches Fohlen liegt bei 25% – und zwar bei jeder Anpaarung dieser Eltern. Mischerbige Pferde sind übrigens wie die reinerbig negativen völlig gesund.

Aus diesem Grund geht der dringende Appell an alle Paint Horse-Züchter: Lassen Sie Ihre Pferde testen!!! Vermeiden Sie Anpaarungen von Trägerpferden miteinander!

Zwei Frame Overos in der begehrten „loud coloured overo“ Zeichnung: Bei Anpaarungen von Pferden mit diesen Mustern wurde eine massive Häufung von OLWS-Fohlen beobachtet! (Quelle: APHA)

Bitte informieren Sie die Zuchtleitung oder die Geschäftsstelle über Lethal-White-Fohlen. Es wäre wünschenswert, daß die Eigentümer der Futurity- und der Zuchtbuch-Hengste den OLWS-Status ihrer Pferde veröffentlichen würden, um den Stutenbesitzern die Entscheidung zu erleichtern. Um es noch einmal zu betonen: die Anpaarungen von Nicht-OLWS-Trägern (N/N x N/N) oder Träger x Nichtträger (N/O x N/N) bergen keinerlei Risiko in Bezug auf das Auftreten von OLWS beim Fohlen!

 

Gentests werden in Deutschland zum Preis von ca. 20 EUR durch das Labor Gene-Control, Senator-Gerauer-Str. 23, 85586 Grub, Tel. 089/9037292 anhand einer Haarprobe durchgeführt.

 

Angenommenes Schema für die Vererbung des Overo Lethal White Syndroms. (Quelle: APHA)

Overo Lethal White Syndrom –

ein vermeidbares Risiko der Paint Zucht

Bei den Paints tritt vorwiegend bei den Pferden mit Overo Zeichnung ein genetischer Defekt auf : die lethal whites. Die lethal white Fohlen werden ganz weiß oder nahezu ganz weiß geboren und haben einen genetisch bedingten Darmverschluss. Sie verhalten sich also zunächst wie ganz normale Fohlen. Nach ca. 12 bis 24 Stunden bekommen sie jedoch starke Kolik Erscheinungen, da die Nahrung den Darm nicht bis zum Ausgang passieren kann. Eine Operation, die theoretisch möglich wäre, ist in diesem frühen Alter eine große Belastung für den Organismus und hat wenig Aussichten auf Erfolg. Daher bleibt dem Züchter nichts anders übrig, als sein Fohlen einzuschläfern, um ihm weiteres Leiden zu ersparen.

Die Universität von Minnesota befasst sich seit 1982 mit Erforschung dieses Gen Defektes.

Seit zwei Jahren besteht nun die Möglichkeit die Zuchtpferde zu testen, um Träger des Gens zu identifizieren und entsprechend anzupaaren. Ein todgeweihtes Fohlen wird nur geboren, wenn beide Eltern träger des OLWS Gens sind.

Bezeichnungen im Test :

L = OLWS Gen

N = Normal

Die todgeweihten Fohlen haben das defekte Gen doppelt : L/L, daher können sie nicht leben. Träger des Gens haben in ihrem Erbgut ein gesundes Gen und ein defektes Gen (L/N), sie sind lebensfähig, geben aber an 50% ihrer Nachkommen das Gen weiter. Nicht betroffene Pferde tragen das Gen nicht und können es daher auch nicht vererben : N/N.

Für den Test werden 15-20 Mähnen oder Schweifhaare mit Wurzel benötigt.

Adresse :

Minnesota Veterinary Diagnostik Laboratory

University of Minnesota

College of Vet Medicine

1333 Gortner of Minnesota

St. Paul, MN 55108

USA

Telefon : 001 612 625 8787

Kosten : 1 Pferd 50,- USD, ab 2 und mehr Pferde 45,- USD

typischer Overo – ob er Träger den OLWS Gens ist, läßt sich mittels des Gen Tests nachweisen.

Die häufigsten Fragen zum Overo Lethal White Syndrom (OLWS) :

Kommen lethal white Fohlen nur bei Overo Paints vor ?

Der Ursprung des OLWS Gens scheint bei den Overo Paints zu liegen. Allerdings hat die Universität von Minnesota im Rahmen ihrer Forschungen Träger des Gens (N/L) inzwischen auch bei Tobianos mit Overo Vorfahren, Toveros, Breeding Stocks, crop outs (Quarter Horses) und Pintos mit Overo Abstammung festgestellt. Allerdings kommen sie bei den Overos am häufigsten vor.

Wie groß ist das Risiko einen lethal white zu bekommen, wenn man zwei Overos miteinander paart ?

Vorrausgesetzt, beide Overo Elterntiere sind Träger des Gens (N/L) so läge die statistische Wahrscheinlichkeit ein defektes Fohlen zu bekommen bei 25%. Da aber nicht alle Overos träger des Gens sind, ist das Risiko noch geringer.

Kann man den Pferden an der Fellzeichnung ansehen, ob sie OLWS Gen Träger sind ?

Nein, allein ein Gen-Test gibt hierüber sichere Auskunft.

Gibt es weiß geborene Fohlen, die lebensfähig sind ?

Es gibt auch ganz weiß geborene Paint Fohlen, die keinen Darmverschluss haben und überleben können. Allerdings sind die meisten von Ihnen Träger des Gens.

Kann eine Stute mehrere lethal whites bekommen ?

Es gibt Stuten die fünf und mehr lethal white Fohlen bekommen haben. Spätestens nachdem das erste Fohlen geboren wurde, sollte man die Stute nur noch mit einem Hengst bedecken, der sicher kein Träger des Gens ist. Klüger wäre es natürlich die Stute vor der ersten Bedeckung zu testen.

Kann ein Hengst Vater eines lethal white Fohlens sein und dennoch das defekte Gen nicht tragen ?

Nein. Sobald er ein lethal white Fohlen gezeugt hat, ist damit nachgewiesen, dass er das Gen trägt. Hat er noch nie ein lethal white Fohlen gezeugt und führt aber Overo Blut in seinen Adern, so kann das ausschließlich Glück sein. Sicherheit gibt auch hier nur der Test.

Kann ein Tobiano Hengst ohne Overo Vorfahren träger des OLWS Gens sein ?

Die Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering. Da das Gen aber auch schon bei Crop Outs, also bei Overo Nachfahren von Quarter Horses gefunden wurde, ist es aber dennoch in ganz seltenen Fällen möglich.

Petra Roth-Leckebusch

 

Taylorella equigenitalis

1. Einleitung 

Die Contagiöse Equine Metritis (CEM) ist eine meldepflichtige Infektionskrankheit des Genitaltraktes der Pferde und Esel, hervorgerufen durch das Stäbchenbakterium Taylo-rella equigenitalis. Die Infektion erfolgt hauptsächlich durch den Deckakt, ist aber auch durch andere direkte Kontakte zwischen den Tieren sowie durch unbelebte Vektoren möglich. Die Ausscheidung der Bakterien erfolgt intermittierend. Die Diagnose fußt auf dem kulturellen Erregernachweis.

2. Tierseuchenrechtliche Regelung
– Tierseuchengesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. April 2001 (BGBl. 1 S. 506)
– Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. April 2001 (BGBl. 1 S. 540)

3. Probenmaterial
Folgendes Material ist für die bakteriologische Diagnostik zu verwenden:
– Genitaltupfer Stute – Fossa clitoridis (1 Tupfer)
– Medialsinus der Klitoris (1 Tupfer)
– Lateralsinus der Klitoris, beidseitig (1 Tupfer)
– zusätzlich Cervixtupfer bei Cervixkatarrh bzw. Verdacht
– Genitaltupfer Stute, klitorisektomiert – Klitorisgegend (1 Tupfer)
– Sinus urethralis (1 Tupfer)
– Cervix (1 Tupfer)
– Genitaltupfer Hengst – Präputium mit Penisschaft (1 Tupfer)
– Urethralsinus (1 Tupfer)
– Fossa glandis mit Diverticulum (1 Tupfer)

Genitalsekret – Vorsekret
– Sperma

4. Probennahme
– Probennahme mit sterilen, kommerziell erhältlichen Abstrichbestecken für die bakteriolo-gische Diagnostik, Tupfkörper etwa 4 mm stark, für Fossa Jupfer etwa 2 mm
– trockene Tupfer vor Probennahme mit sterilem Aqua dest befeuchten (keine physio-logische Kochsalzlösung verwenden!)
– Tupfer nach Probenahme sofort in Transportmedium nach Amies mit Aktivkohle stellen; Tupfkörper muß vollständig vom Medium bedeckt sein; je Tupfer ein Röhr-chen; nicht poolen; auf Verfallsdatum achten; Achtung: Andere Transportmedien sind nicht geeignet!
– Vorsekret in einem sterilen Gefäß auffangen und mit einem Tupfer aufsaugen, Tupfer wie oben beschrieben in Transportmedium nach Amies mit Aktivkohle stellen
– Sperma in ein steriles, auslaufsicheres Gefäß verbringen (mind. 5 ml)
– Kennzeichnung aller Probengefäße, so daß eindeutige Zuordnung und Identifikation gewährleistet ist (Tierkennzeichen und Entnahmeorgan/-lokalisation)

5. Vorberichtliche Angaben
Mindestangaben:
– vollständige Adresse des Besitzers
– einsendender Tierarzt / Probennehmer
– Tierart, Kennzeichen des Tieres, Geschlecht
– Probenart, Entnahmeorgan, -lokalisation, Probenanzahl
– Entnahmedatum und -zeit
– Untersuchungsgrund
– antibiotische Behandlung in den letzten 7 Tagen
– ggf. Angaben zu klinischen Symptomen und zu epidemiologisch wichtigen Daten

6. Transport
– Transportgut kühl (etwa +4°C, nicht einfrieren!) und dunkel lagern
– Proben vor Bruch und Auslaufen sichern
– schnellst möglicher Transport in die Untersuchungseinrichtung; Selbstüberbringer o-der per Kurier;
– günstigster Eingang der Proben in das Labor: Entnahmetag oder Folgetag der Ent-nahme. Die Proben müssen spätestens 48 h nach Entnahme bearbeitet sein! Ein-gang an Wochenenden oder Feiertagen nur nach vorheriger Absprache! Bei Posteinsendungen Kühlverpackung und Zeitlimit beachten!

7. Untersuchung
– Untersuchungen auf Taylorella equigenitalis werden in den Untersuchungsstellen Neubrandenburg und Rostock des Landesveterinär- und Lebensmitteluntersuchungs-amtes (LVL) durchgeführt.
– Im LVL erfolgt die Untersuchung in Anlehnung an den OIE-Standard (Manual of Stan-dards for Diagnostik Tests and Vaccines).
– Die Mindestdauer der Untersuchungen beträgt 7 Tage. Entsprechende Differenzierun-gen verlängern jeweils die Untersuchungszeit.
– Untersuchungen von mehr als 10 Tupfer- / Sekretproben sind dem LVL mindestens 4 Arbeitstage vorher zwecks Nährmedienbereitstellung anzukündigen

8. Befundung
– Die Ergebnismitteilung erfolgt schriftlich nach Abschluß der Untersuchung.
– Der einsendende Tierarzt kann bei Angabe der Nummer per Fax informiert werden.
– Bei Nichteinhaltung oben genannter Bedingungen, insbesondere beim Überschreiten des Zeitlimits zwischen Entnahme und Bearbeitung und bei fehlender Anwendung des kohlehaltigen Amies- Transportmediums erfolgt die Befundung unter Vorbehalt.

9. Hinweise bei Exportuntersuchungen
Bei Ausfuhruntersuchungen sind die Bestimmungen der importierenden Länder zu be-achten. Für Exporte nach Kanada und in die USA gelten die Angaben des „Minimum Standards for clinical sampling, sample submission, culturing and quality control for the isolation of Taylorella equigenitalis“ des CFIA vom 14.09.2001. Folgendes ist zu beach-ten:
– Probensatz muß aus den bei Genitaltupfer Stute, Stute klitorisektomiert und Hengst aufgeführten Teilproben vollständig bestehen (s. Punkt 3)
– 3 Einsendungen mit je einem vollständigen Probensatz über einen Zeitraum von min-destens 10 Tagen erforderlich
– Exportuntersuchungen nur in dafür zugelassenen Laboratorien (LVL ist gelistet)
– Untersuchungsdauer mindestens 14 Tage
– Neben den genannten vorberichtlichen Angaben immer die Nummer des Equidenpas-ses mitteilen.
– Konsequente und nachweisbare Einhaltung der Probennahme- und Transportbedin-gungen notwendig, da bei Abweichungen Exportuntersuchungen abgelehnt werden.

– Werden amtliche Atteste zur Probennahme, Dokumentation und Kontrolle gewünscht, so sind diese über den zuständigen Amtstierarzt anzufordern.

Bearbeitet von Dr. med.vet. Matthias Seelmann